9.30.2012

Il futuro della filosofia




Cinque docenti della Facoltà di Filosofia dell'Università San Raffaele di Milano - Massimo Cacciari, Giovanni Reale, Emanuele Severino, Roberta De Monticelli e Diego Fusaro - discutono sul tema: LA FILOSOFIA DEL FUTURO

9.29.2012

um poema do Geoffrey Hill

Erudição. Dor. Luz. Imagina-o uma grande
obra inevitável; muito embora: metros
épicos uma falsa partida, diz ᴏ ᴘᴏᴠᴏ. Alguns acreditam
que usamos em excesso os nossos dons. Vistas as idênticas
festas de rua, confusão, curta exposição,
pratica auto-emulação: música para mãos
cruzadas; para dois dedos; música
para pairar até à descolagem; para cremar.
Arcaico quer-se | ficheiros pilhados e eliminados
numa só geração. Decide da distância.
Inocentes parados praí. Dolorosas
cenas conspurcam último auto-da-fé.

Geoffrey Hill. Speech! Speech! Counterpoint (2000).
Tradução minha.

Erudition. Pain. Light. Imagine it great
unavoidable work; although: heroic
verse a non-starter, says ᴘᴇᴏᴘʟᴇ. Some believe
we over-employ our gifts. Given identical
street parties, confusion, rapid exposure,
practise self-emulation: music for crossed
hands; for two fingers; music
for taxiing to take-off; for cremation.
Archaic means | files pilaged and erased
in one generation. Judge the distance.
Innocent bystanders on stand-by. Painful
scenes mar final auto-da-fé.

9.26.2012

Mais Outono (e mais dois poemas alemães)

Herbst

Das Haus der Vögel entlaubt sich.
Wir haben Angst vor dem Herbst.
Manche von uns
malen den Toten das Gesicht
wenn sie fortziehen.
Denn wir würchten den Winter.

Eine alte Frau, die vor uns stand
war unser Windschutz,
unser Julilaub,
unsere Mutter,
deren tod
uns
entblößt.

Hilde Domin. Nur eine Rose als Stütze. Fisher (1959).


Outono


A casa dos pássaros larga as folhas.
Temos medo do Outono.
Alguns de nós
pintam aos mortos o rosto
quando eles se afastam.
Depois temos medo do Inverno.

Uma mulher idosa à nossa frente
era o nosso guarda-vento
a nossa Julilaub,
a nossa mãe,
cuja morte
nos
expõe.


Verklärter Herbs



Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Georg TraklGedichte (1913).


Outono Iluminado

Em grandeza acaba o ano
com vinho de ouro e frutos dos jardins.
Calam-se em portentos as florestas
companheiras do Solitário.

Diz então o camponês: É bom.
Ó Campânulas, gentilmente
encheis-me coragem até ao fim.
Um bando de pássaros saúda.

É o tempo suave do Amor.
No bote ao longo do rio azulado
É belo como umas imagens se seguem às outras.
Declinar em Calma e Silêncio.  

9.20.2012

Orígenes e o Diabo

Uma das razões para a acusação póstuma e subsequente condenação e excomunhão post-mortem de Orígenes era a crença de que não havia alma nenhuma que, com o decurso inconcebível dos séculos, não fosse salva por Deus. Isto entrava em conflicto com as tentativas de solução apresentadas, baseadas numa variação de complexos modelos de salvação pela graça gratuita ou conquistada, mas que se baseavam sempre numa salvação selectiva. Gostar de Orígenes é um bom sinal. Sem uma pinga de vana superbia podemos ficar contentes por nos colocarmos junto daquele de quem o Edward Wind dizia que "não houve jamais um theólogo inteligente que não se sentisse atraído por [ele]." Mas creio ter encontrado um contra-exemplo aqui no Joseph Smith, o qual a seu modo é também ele um theólogo de preeminência - tenho vindo a descobrir isso. No King Follet Discourse deixa ele en passant um enigmático e no qual voltarei a pegar problema (donde não nos safamos, a não ser que queiramos lembrar o já-moído comentário do Blake sobre o Lucífer do Milton, que seria "of the Devil's party without knowing it"),


The contention in heaven was—Jesus said there would be certain souls that would not be saved; and the devil said he could save them all, and laid his plans before the grand council, who gave their vote in favor of Jesus Christ. So the devil rose up in rebellion against God, and was cast down, with all who put up their heads for him.

Joseph Smith. King Follet Discourse.

9.17.2012

die Toten

So also kehren sie wieder, die Toten. Manchmal nach mehr als sieben Jahrzenten kommen sie heraus aus dem Eis und liegen am Rand der Moräne, ein Häufchen geschliffener Knochen und ein Paar genagelter Schuhe.

W. G. SebaldDie Ausgewanderten - Dr. Henry Selwyn. Fischer (1994).


E com isto terminei um conto do Sebald e estou contente.

9.16.2012

I was counting the blades of grass

Sprachlos betrachteten wir lange diese inabfallenden und ansteigenden Stufen den Blick in die Ferne ziehende Anlage und glaubten ganz allein zu sein, bis wir in dem Halbschatten, der von einer hohen Zeder in der südwestlichen Ecke des Gartens auf den Rasen gebreitet wurde, eine regungslose Gestalt liegen sahen. Es war ein alter Mann, der den Kopf aud den angewinkelten Arm gestützt hatte und ganz versunken schien in den Anblick des Fleckchens Erde unmittelbar vor seinen Augen. Wir gingen quer über die Rasenfläche, die uns jeden unserer Schritte mit einer wunderbaren Leichtigkeit machen ließ, auf ihn zu. Aber erst als wir uns ihm bis auf weniges genähert hatten, bemerkte er uns und erhob sich nicht ohne eine gewisse Verlegenheit. Obzwar groß gewachsen und breit in den Schultern, wirkte er untersetzt, ja, man hätte sagen können, wie ein ganz kleiner Mensch. Es kam dies vielleicht daher, daß er, wie sich bald erweisen sollte, stets eine goldene Lesebrille mit Halbgräsern trug, über deren Rand er mit gesenktem Kopf hinwegsah, wodurch ihm eine gebeugte, fast bittstellerische Haltung zur Gewohnheit geworden sein mußte. Das weiß Haar hatte er zurückgekämmt, doch fielen ihm einzelne Strähnen immer wieder in die auffallend hohe Stirn. I was counting the blades of grass, sagte er zur Entschuldigung für seine Gedankenverlorenheit. It's a sort of passtime of mine. Rather irritating, I am afraid. Er strich eine der weißen Strähnen zurück. Ungelenk und zugleich vollendet waren seine Bewegungen; von einer längst außer Gebrauch gekommenen Verbindlichkeit auch die Art, in der er sich uns vorstellte als Dr. Henry Selwyn. Wir seien gewiß, setzte er hinzu, der Wohnung wegen gekommen. Soviel er zu sagen vermöge, sei sie noch nicht vergeben, doch müßten wir uns in jedem Fall bis zur Rückkunft von Mrs. Selwyn gedulden, denn sie sei die Besitzerin des hauses, er hingegen nur ein Bewohner des Gartens, a kind of ornamental hermit. Im Verlauf des Gesprächs, das sich an diese ernsten Bemerkungen anschloß, waren wir den eisernen Zaun entlanggegangen, der den Garten vom offenen Parkland trennte. Wir heilten ein wenig ein. Um ein kleines Erlegehölz herum kamen drei schwere Schimmel, schnaubend und um Trab Wasen aufwerfend. Erwartungsvoll nahmen sie Aufstellung bei uns. Dr. Selwyn gab ihnen Futter aus seiner Hosentasche und fuhr ihnen mit der Hand über die Nüstern. Sie essen, safte er, bei mir das Gnadenbrot. Ich habe sie im vorigen Jahr für ein paar Pfund auf der Pferdeauktion gekauft, von der sie bestimmt in die Abdeckerei geraten wären. Sie heißen Herschel, Humphrey und Hippolytus. Über ihr Vorleben ist mir nichts bekannt, aber sie haben, als ich sie erstand, arg ausgesehen. Ihr Fell war von Milben befallen, ihr Blick getrübt, und die Hufe sind vom vielen Stehen in einem nassen Feld ganz ausgefranst gewesen. Inzwischen, sagte Dr. Selwyn, haben sie sich einigermaßen erholt, und es bleiben ihnen vielleicht noch ein paar gute Jahre. Dann verabschiedete er sich von den sichtlich von großer Zuneigung zu ihm bewegten Pferden und promenierte mit uns, ab und zu und stehenbleibend und in dem, wovon er sprach, ausführlicher werdend, zu den entlegeneren Teilen des Gartens. Durch das Gebüsch an der Südseite des Rasens führte ein Pfad zu einem von Haselsträuchern gesäumten Gang. In dem Gezweig, das über uns zu einem Dach sich schloß, trieben graue Eichkatzen ihr Unwesen. Der Boden war dicht übersät mit den Schalen der aufgebrochenen Nüsse, und Herbstzeitlose zu Hunderten fingen das schüttere Licht auf, das durch die trocken schon raschelnden Blätter hereindrag. Der Haselgang endete bei einem tennisplatz, an dem eine geweißelte Ziegelmauer entlanglief. Tennis, sagte Dr. Selwyn, used to be my great passion. But now the court has fallen into disrepair, like so much else around here. Nicht nur der Küchengarten, fuhr es fort, indem er nach den halbverfallenen viktorianischen Grashäusern und den ausgewachsenen Sparieren hinüberwies, nicht nur der Küchengarten sei nach Jahren der Vernachlässigung am Erliegen, auch die unbeaufsichtigte Natur, er sp]ure es mehr und mehr, stöhne und sinke in sich zusammen unter dem Gewicht dessen, was ihr aufgeladen werde von uns.

W. G. Sebald. Die Ausgewanderten - Dr. Henry Selwyn. Fischer (1994).

Athanasius Kircher


Hymno à polymathia.

9.15.2012

es ist ein Land verloren (2)

Wir haben unsere Heimat verloren, und damit die Vertrauheit des täglichen Lebens. Wir haben unsere Arbeit verloren, und damit die Überzeugung, in dieser Welt nützlich zu sein. Wir haben unsere Sprache verloren, und damit die Selbsverständlichkeit der Reaktionen, die Eindeutigkeit der Gesten, den ungekünstelten Ausdruck von Gefühlen. Wir haben unsere Verwandten in den polnischen Ghettos gelassen, und unsere besten Freunde sind in Konzentrationslagern ermordet worden, und das bedeutet das Zerbrechen unseres privaten Lebens.

Hannah Arendt

9.14.2012

am gefährlichen Morgenrot
entfalten sich die Sprachen
wie die Herbstblumen wachsen
nicht in der Zeit. was für uns
noch bleibt, welche lange
ausgesprochene Tone geben
uns den Augenblick zu? hier
gibt es keinen Tod, doch
keinen Sommer. Komm,
oder bleibe, wie dem auch sei
Ich warte.

9.12.2012

Notas sobre a Grécia

Sobre isto.

Antes a tyrannia dos mortos do que a tyrannia dos vivos. Antes não escrever por se ter lido Ésquilo do que escrever sem se ter lido Ésquilo. Como Ulíxes, fazemos os mortos falar dando-lhes de beber do nosso sangue. É mais que natural que haja quem morra de haemorrhagia. Mas o caminho de volta para casa, que eles nos ensinam, é deles que o aprendemos. Triumpe Triumpe Triumpe.

9.10.2012

dois poemas alemães

Ler de manhã e de noite

Aquele que eu amo
Disse-me
Que precisa de mim.
Por isso
Eu tenho cuidado comigo
Presto atenção ao caminho
E temo que uma gota de chuva
Me possa matar.


Morgens und abends zu lesen

Der, den ich liebe,
Hat mir gesagt,
Daß er mich braucht.
Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg
Und fürchte von jedem Regentropften
Daß er mich erschlagen könnte.

Bertold Brecht



Aufhebung

A sua desgraça
Poderiam expirar
expirar profundamente
para se poder voltar
a inspirar

E talvez também poderiam
dizer a desgraça
com palavras
com palavras a sério
que formem um conjunto
e que façam sentido
e que se possam se calhar
até perceber
ou que haja ao menos
quem que ou as perceba
ou as possa perceber
E possam chorar
Isso seria bom
quase como
Graça


Erich Fried


Aufhebung

Sein Unglück
ausatmen können
tief ausatmen
so dass man wieder
einatmen kann

Und vielleicht auch sein Unglück
sagen können
in Worten
in wirklichen Worten
die zusammenhängen
und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte
Und weinen können
Das wäre schon
fast wieder
Glück

Traduções minhas.

9.09.2012

Du lieber Heiland du

Nos primeiros textos que segui em alemão conta-se o libretto da Matthäus-Passion. Lia e não percebia, e aprendia mal, e confundia-me, e maravilhava-me. Lembro-me duma aula onde, quando a professora explicava várias das variantes de das Land, como Ausland, Heimland, etc, ter perguntado sobre Heiland? Olhou para mim confusa e após isso explicou que Heiland era um termo religioso. Na realidade, sei-o agora, refere-se a Jesus Christo, e mutatis mutandis traduz Salvador.

Du lieber Heiland du,
Wenn deiner Jünger töricht streiten,
Daß diese fromme Weib
Mit Salben deinen Leib
zum Grabe will bereiten,
So lasse mir inzwischen zu,
Von meiner Augen Tränenflüssen
Ein Wasser auf dein Haupt zu gießen!

Meu querido Salvador,
Mesmo que os teus tolos discípulos protestem
Que esta mulher virtuosa
Queira ungir o teu corpo
E prepará-lo para a tomba,
Permite-me que entretanto
Tome dos meus olhos uma corrente de lágrimas
E como água na tua cabeça a derrame! (trad. minha)



ἔνια

καίπερ ἤδη σιγῶ οὐκέτι τῆς τοῦ οὐδέποτε ὀφθέντος νεωρίου ἐπιθυμίας πέπαυκα. ἐν ταῖς πόλεσι ἐν ταῖς ἄνευ τῆς ἐπιμελετείας σου ὀμῶς  τοῦ τὴν ἰδεῖαν σου νωῒ φρούρειν λήγειν οὐδαμῶς ἐφίεμαι. ἔσται τοῦτο σχέδον τὸ ἀνέλπιστον ἀριστον, τὸ ἐξιέναι πάντα οὐκ ἐν σώματος εἰκόσι φυλάσσοντα ἀλλὰ ἐν ψυχῆς. τοῦτο νῦνδε γράφω διότι σοι μέλος τι ἔστι ὃ διὰ σε συνεχῶς ἠκηκόη, ἡ οὖν τότε ἐλπίς σὺν τοῖς αὐτοῦ λογίοις ἐξήγρετο. οὐκ οἶδα ὁπότερον με πάλιν πρός αὐτο ἐφιέναι χρῆ μετὰ σε ἢ ἄνευ, ἤδη δὲ ἀκούσειν διεκρινάμην.

Ungeliebte Moderne


Theoretischer Radikalismus im 20. Jahrhundert.
Vorlesungen von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
um Weber, Freud, Ernst Jünger, Ernst Bloch, Lukács, Carl Schmitt, andere.

9.03.2012

Χαίλντερλιν

Hoje pela primeira vez li uma ode do Hölderlin sem dicionário e chorei. Foi por ele que quis aprender este língua, é por ele que há anos que no fundo da minha mochila vai uma cópia desgrenhada com Gedichte na capa na qual — até agora — raro me atrevia a tocar. Am nächsten, τοῦτο.

9.01.2012

Wahr spricht, wer Schatten spricht.


SPRICH AUCH DU


Sprich auch du,
sprich als letzter,
sag deinen Spruch.

Sprich -
Doch scheide das Nein nicht vom Ja.
Gib deinem Spruch auch den Sinn:
gib ihm den Schatten.

Gib ihm Schatten genug,
gib ihm so viel,
als du um dich verteilt weißt zwischen
Mittnacht und Mittag und Mittnacht.

Blicke umher:
sieh, wie's lebendig wird rings -
Beim Tode! Lebendig!
Wahr spricht, wer Schatten spricht.

Nun aber schrumpft der Ort, wo du stehst:
Wohin jetzt, Schattenentblößter, wohin?
Steige. Taste empor.
Dünner wirst du, unkenntlicher, feiner!
Feiner: ein Faden,
an dem er herabwill, der
um unten zu schwimmen, unten,
wo er sich schimmern sieht: in der Dünung
wandernder Worte.


Paul Celan

Celan ahmt Hölderlin nach

(Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott. - H.)

TENEBRAE


Nah sind wir, Herr,
nahe und greifbar.

Gegriffen schon, Herr,
ineinander verkrallt, als wär
der Leib eines jeden ovn uns
dein Leib, Herr.

Bete, Herr,
bete zu uns,
wir sind nah.

Windschief gingen wir hin,
gingen wir hin, uns zu bücken
nah Mulde und Maar.

Zur Tränke gingenwir, Herr.

Es war Blut, es war,
was du vergossen, Herr.

Es glänzte.

Es warf uns dein Bild in die Augen, Herr.
Augen und Mund stehn so offen und leer, Herr.
Wir haben getrunken, Herr.
Das Blut und das Bild, das im Blut war, Herr.

Bete, Herr.
Wir sind nah.


Paul Celan